Soll ich kündigen oder bleiben? 7 Fragen, die dir bei der Entscheidung helfen

Veröffentlicht am 1. August 2026 um 11:24

Der Gedanke zu kündigen kommt selten aus dem Nichts. Vielleicht ärgerst du dich seit Monaten über dieselben Dinge. Vielleicht fehlt dir inzwischen jede Motivation. Oder dein Job ist eigentlich „gar nicht so schlecht“ und trotzdem erwischst du dich regelmäßig bei dem Gedanken: Ich will hier raus.

Genau das macht die Entscheidung oft so schwierig. Denn zwischen „Ich bin gerade genervt“ und „Dieser Job passt wirklich nicht mehr zu mir“ liegt ein ziemlich großer Unterschied.

Bevor du also innerlich kündigst oder dir einredest, dass du einfach noch ein bisschen durchhalten musst, können diese sieben Fragen helfen.

1. Was genau möchte ich eigentlich verlassen?

Den Job? Die Führungskraft? Das Unternehmen? Die Branche? Die Arbeitsbelastung? Oder vielleicht eine Rolle, in die du hineingewachsen bist, die aber längst nicht mehr zu dir passt?

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Denn nicht jedes Problem braucht eine Kündigung. Manchmal braucht es andere Aufgaben, weniger Stunden, ein klärendes Gespräch oder einen internen Wechsel.

Tipp: Beende den Satz „Ich würde gerne bleiben, wenn …“ möglichst konkret. Was müsste sich verändern?

2. Ist das Problem vorübergehend oder grundsätzlich?

Ein anstrengendes Projekt, eine Umstrukturierung oder ein Konflikt können einen eigentlich passenden Job zeitweise ziemlich unerträglich machen.

Anders sieht es aus, wenn du seit Monaten immer wieder an denselben Punkt kommst. Frage dich deshalb: Wenn sich in den nächsten zwölf Monaten nichts Wesentliches verändert, möchte ich dann noch hier sein?

Deine spontane Reaktion auf diese Vorstellung kann aufschlussreicher sein als eine weitere Pro-und-Contra-Liste.

3. Was hält mich wirklich?

Vielleicht magst du deine Kolleg:innen. Vielleicht ist dein Gehalt gut, der Arbeitsweg kurz oder die Sicherheit angenehm.

Vielleicht hält dich aber vor allem die Angst vor dem Unbekannten.

Versuche deshalb, zwischen guten Gründen zu bleiben und Gründen, aus denen du dich nicht zu gehen traust, zu unterscheiden. Das klingt ähnlich, ist aber etwas völlig anderes.

4. Was kostet es mich, zu bleiben?

Bei einer Kündigungsentscheidung denken wir häufig zuerst über die Risiken des Gehens nach: Was, wenn ich nichts Besseres finde? Was, wenn ich meine Entscheidung bereue?

Dreh die Frage einmal um:

Was kostet es mich, wenn ich bleibe?

Vielleicht Energie. Entwicklungsmöglichkeiten. Motivation. Zeit. Gesundheit. Oder die Chance, beruflich etwas auszuprobieren, das besser zu dir passt.

Auch Nicht-Entscheiden hat einen Preis.

5. Was erwarte ich von einem neuen Job?

„Hauptsache weg“ ist verständlich, aber leider keine besonders gute Karriereplanung.

Wenn du nicht weißt, was beim nächsten Arbeitgeber anders sein soll, besteht die Gefahr, dass du einige Monate später vor denselben Fragen stehst.

Überlege deshalb konkret: Was brauche ich, damit Arbeit für mich langfristig funktioniert? Mehr Gestaltungsspielraum? Klare Strukturen? Entwicklung? Sinn? Flexibilität? Ein anderes Arbeitsumfeld?

Je genauer du das beantworten kannst, desto gezielter kannst du nach deinem nächsten Schritt suchen.

6. Habe ich realistische Alternativen geprüft?

Zwischen „bleiben“ und „morgen kündigen“ gibt es erstaunlich viel Raum.

Du kannst Stellen sondieren, Gespräche führen, deinen Marktwert prüfen, Bewerbungen verschicken oder zunächst herausfinden, welche beruflichen Optionen überhaupt zu deinem Profil passen.

Eine Entscheidung wird häufig leichter, sobald aus einem abstrakten „Was soll ich bloß machen?“ konkrete Möglichkeiten werden.

7. Wenn Angst keine Rolle spielen würde: Was würde ich wählen?

Diese Frage entscheidet nicht automatisch darüber, was du tun solltest. Finanzielle Verpflichtungen, Arbeitsmarkt und persönliche Lebenssituation verschwinden schließlich nicht einfach.

Aber sie kann sichtbar machen, was du eigentlich möchtest und was dich davon abhält.

Und genau dort liegt häufig der Kern der Entscheidung.

Du musst nicht sofort wissen, ob du kündigen sollst

Manchmal besteht das eigentliche Problem gar nicht darin, dass wir zu wenige Argumente haben. Sondern darin, dass sich Argumente, Ängste, Erwartungen und Bedürfnisse so miteinander vermischt haben, dass wir nicht mehr erkennen, was für uns wirklich entscheidend ist.

Dann hilft häufig nicht die nächste Pro-und-Contra-Liste, sondern ein strukturierter Blick von außen.

In meiner Karriereberatung und im systemischen Coaching unterstütze ich dich dabei, deine berufliche Situation zu sortieren, Entscheidungskriterien herauszuarbeiten und realistische nächste Schritte zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, dir zu sagen, ob du kündigen sollst. Sondern darum, dass du eine Entscheidung treffen kannst, die zu dir und deiner tatsächlichen Situation passt.